Linien ziehen übern Tag und sie wiederfinden am Abend

Von Rosen, da beißt sie ab

Von Rosen, da beißt sie ab, streicht sich das Haar zurück, wenn rot eine Drehung ist auf dem Absatz, wenn überall Lieblingswörter durch die Sätze gehn an den Anfang zurück, wenn das Zupfen daran wie an Jahren ein Spaziergang ist über die freien Flächen vom Tag, wenn die Hände nicht alle Finger verbrauchen fürs Sortieren, wenn die Finger den Atem wenden, bis er schmeckt zugunsten von Rot, wenn ein Gefühl kein Arrangement ist aus Redewendungen, wenn nicht mehr verschwindet dieses flüchtige Warmsingen der Finger, wenn die Augen, eine Mischung aus rechter Hand und linker, den Kopf anhalten aus einer Laune heraus, wenn außerdem sie ihre Hände trägt, als wären sie eine Nummer zu groß.
Ans Meer wäre schön und ganz lange Nachmittage in Rot. Es trägt sich nie salopp, es trägt auf und hat den Sommer notiert. Rot ist ganz bestimmt das Rot von Himbeeren und Nagellack. Aber von Rosen, da beißt sie ab.

©Johanna Hansen

Tanzpaar

Er hatte wirklich sehr blaue Augen,
wie andernorts entdeckt. Seine Hände,
leicht regelrecht, knöpfen die Musik
voreinander und nebeneinander.

Sie
lehnt sich zurück in ihr Kleid.

Anderthalb Takte lang sind ihre
Schuhspitzen spitz vom Schluckauf,
vom vielen Verbeugen.

Was sagen Sie zu meinen dünnen Augenbrauen?

Ich liebe es, in den Abend zu altern.

Andererseits, ausgewandert ins Gefühl,
kontert er mit den Armen, rudert vorsichtig an Tischen vorbei, die Hände, Krawatte,
ach, seinetwegen hätte sie gern festes Land
unter den Füßen, ja Standbein, Spielbein,
ziemlich schnell, und ihretwegen den Bogen raus. Jetzt fast schon jede Bewegung ein Liebhaberstück.

Was machen Sie außerdem?

Ich benutze ein Fenster morgens und abends als engsten Vertrauten. Sonst Herzklopfen. Da tanzt er gelacht. Seine Stimme aus Weidenzweigen zugeschnitten, seine Stimme aus Fitnesstraining zugeschnitten, so viel vorweg.
Er hatte wirklich sehr grüne Augen.
Ganz Vibrato. So Zuversicht.

Sie schüttelt ein Lied aus ihren Schritten, legt es ihm auf die Schultern, die er so hochzieht, dass es herunterrutscht in seinen Mund.

Wie er sie hält, so hätt er sie gern.
Sie nimmt eine andere Position ein.
Ein Fisch springt über ihr Handgelenk,
Aquamarin und Silber, hält ihn im Arm.

Seine Schultern ganz Zucker und Milch.
Sonst nichts.
Sie probiert Balance in der Farbe von Samt,
innen und außen ärmellos bis in die Schuhe.

Positionswechsel wieder, sie gehören sich selbst, ein bisschen wild,
ein bisschen Trophäe des andern.

Die Musik streichen über den Mund,
Hüften, die Haut kühl vom Schweiß.

Aber Handschuhe trägt sie nie.

Zwischen den Fingern,
wettergeschützt, die Musik.
Zwischen den Fingern,
hübsch vertäut, ihr Atem.

Aber Handschuhe trägt sie nie anschmiegsam.

Er hatte wirklich sehr graue Augen und Augen wirklich wie Flaum.

©Johanna Hansen

Zwischenton

Klangcollage

Text und Sprecherin: Johanna Hansen
Musik: Wolfgang Braun
Klarinetten: Claudio Putin
Aufnahme: Christian Kock